Beobachte den Beobachter?

Auch auf diesem Blog möchte ich von Zeit zu Zeit einiges zum Beobachter-Problem anführen:

Beobachte den BeobachterAn der Hoffbauerstiftung gab ich parallel zu diesem Workshop trimesterbegleitend ein Seminar zum Thema Informelles Lernen und Musikpädagogik. Als ich nun gestern (Dienstag 25.03.) nach dem Seminar mit einigen Studierenden ins Gespräch kam, wurde mir von einer interessanten Beobachtung berichtet:

Die Message des Seminarleiters?

Jedem, der unterrichtet, ist vielleicht ab und an aufgefallen, dass die eigenen Kurse irgendwie eine Message mit sich führen. Dies kann beispielsweise sein, dass von Psychologielehrenden geglaubt wird, sie hätten alle Teilnehmer_innen analysiert. Oder von Musiklehrer_innen wird teils geglaubt, sie hörten in ihrer Freizeit nur sogenannte klassische oder Wellness-Musik. Auch innerhalb des Workshops tauchte ein ähnliches Phänomen auf:

Diejenigen Teilnehmenden des Workshops, die auch mein Seminar besuchen, beobachteten mich – so erfuhr ich gestern – in Hinblick auf die Thematik offener Unterrichtsformen. Sprich: Es stand die unausgesprochene Frage im Raum, ob der Workshop sich nun an meinen Kurs anlehne und ich mein Verständnis von entsprechendem pädagogischen Handeln hier anbringen wolle. Die Antwort lautet eindeutig: Jein!

Offener oder geschlossener Unterricht?

Der Workshop legte den Schwerpunkt erst einmal auf das Musizieren mit Apps auf mobilen Digitalgeräten wie Smartphones und Tablets. So war mein Ziel für die drei Tage, Musizierformen mit Apps weitestgehend auszureizen. Ob und wie mir das gelungen ist, sei an anderer Stelle erläutert. Es sei so viel gesagt, dass Musik reproduziert, komponiert, improvisiert und aufgeführt wurde. Da dafür (nur) drei Tage zur Verfügung standen und ich mir meine Erfahrungen mit Workshops vor Augen führte,  habe ich viele Teile vorgegeben. (Nennen wir letzteres Unterrichtsplanung)

  • Darunter die Auswahl des ersten gemeinsamen Songs Madness von Muse, die Einschränkung  von vorgegebenen Apps (z.B. Rockmate oder meine eingeschränkte Begeisterung für GarageBand).
  • Andererseits gab es auch etliche freie Teile innerhalb des Workshops. Die Gruppen haben Kompositionen angefertigt und selbst gewählte Musik gespielt.
  • Wer mich kennt, der weiß zum Beispiel, dass ich häufig keine Noten mitbringe, denn Musiklesen fördert im Unterricht oft nur die Fähigkeit, Musik zu lesen, und weniger das Zusammenspiel als Gruppe. (Ich freue mich bereits hier auf Kommentare 🙂 )

Aurales Musiklernen

Das notenfreie Musizieren zielt einerseits auf ein Spielen nach Gehör (aurales Lernen) ab, wie es auch für informelles Musiklernen typisch ist.  Andererseits habe ich gute Erfahrungen dahingehend gemacht, dass die Teilnehmenden schneller (für mich beobachtbar) kollaborativ arbeiten. Das heißt beispielsweise, dass untereinander Akkorde ausgetauscht werden, man aufeinander hören muss und dass mit den Musikapps herumexperimentiert wird.

Lehrer, Schüler und Anwesende?

Ich sehe mich weiter immer auch als ein Mitglied der Gruppe. Trotz meiner exponierten Rolle als sogenannte Lehrperson arbeite ich nicht mit Gruppen, sondern bin selbst durch meine Anwesenheit Teil der Gruppe, mit der ich arbeite. Ich arbeite demnach in Gruppen. Demnach versuche ich gewissermaßen beim gemeinsamen Musizieren im Plenum die Rolle des Moderators sowie des Mitmusizierenden zu vereinen. Ich gebe zu, dass ich gelegentlich zur Besserwisserei tendiere, aber das kann man auch bei sogenannten Lernenden ab und an beobachten. Entscheidend ist für mich, dass man als Pädagoge in jenen Situationen sich selbst den Auftrag erteilen kann, den Beobachter zu beobachten. Denn meine Entscheidungen werden dann nicht per se gut für die Gruppe. Wie sollte man so etwas auch beobachten? Meine Entscheidungen sind für meine Beobachtung wirksam. Wenn ich beispielsweise eine fehlerhaft beobachtete Akkordfolge korrigiere, dann ist das positiv für meine folgenden Beobachtungen  und die darin gekoppelten Entscheidungen: Im besten Fall werde ich dann nicht mehr die fehlerhafte Akkordfolge beobachten müssen und kann mich auf anderes konzentrieren (z.B. Zusammenspiel). Ob dies nun für den jeweiligen Lerner gleichsam positiv ist, ist m.E. unbeobachtbar.

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3 Gedanken zu “Beobachte den Beobachter?

  1. genau- das haben wir uns halt gefragt- informelles Lernen beim appSeminar mit den Kids an der Schule sah auch nicht nach informellen Lernen aus.

    1. Ja, es hat ja auch keiner gesagt, dass wir das machen werden. Zumal informelles Lernen ja niemals „gemacht“ werden kann! Das Setting, das wir an der Ehlers-Schule hatten, war ein non-formales, indem IHR als Studierende etwas vorbereitet habt und ICH als Workshop&Projekt-Mitarbeiter auch ein didaktisches Konzept hatte. Wo ist da das informelle Lernen? Anteile an Methoden des informellen Musiklernens könnte man etwa im notenfreien Musizieren. Hinzu kommt, dass die Ehlers-Appmusiker aus freien Stücken am Projekt teilnehmen und eben auch kein Zeugnis o.ä. bekommen. Von daher würde ich mich auf ein non-formales Bildungsangebot beschränken, müsste ich mich begrifflich festlegen. (Was ich im übrigen damit gerade mache 🙂 )

  2. Ich sehe es auch so, dass es auf das Setting ankommt, in dem wir lehren bzw. lernen. So ist es ja auch mit dem App-Workshop, einerseits ist die Teilnahme an dem Workshop völlig freiwillig und man hatte die Wahl zwischen mehreren Workshops, andererseits ist aber er aber auch wieder formal, denn wir alle brauchen den Schein am Ende des Workshops und somit ist die Freiwilligkeit in gewisser Weise wieder aufgehoben. Ich fand auch, dass der Workshop durch die Möglichkeit des Komponierens und der freien Wahl der Gruppen in mehreren Fällen recht offen gestaltet war. Trotz dem habe auch ich mich gefragt, was kann ich wann und wie als Beobachter (in dem Falle Marc) in der Gruppe kommunizieren bzw. korrigieren, um meine Beobachtungen auf meiner Ebene weiterzuführen. Und inwiefern störe ich die Beobachteten mit meiner Beobachtung. In der Situation habe ich persönlich mich nicht gestört gefühlt, mich persönlich hat´s aber auch nicht betroffen.
    Zu der Tatsache, ohne Noten in den Unterricht zu gehen. Das befürworte ich sehr, da auch hier Musizieren auf einer anderen Ebene möglich wird. So wie wahrscheinlich die Befürworter von Noten sagen, dass mit Noten das Musizieren auf einer anderen Ebene möchlich wird. Auch im App-Workshop habe ich zweierlei Beobachtungen gemacht. EInerseits wurde der erste Song vorgegeben. DIe Wahl der Apps war völlig frei. Es gab keine vorgegebenen Noten, an die man sich zu halten hatte, es wurde nur die Tonart vorgegeben. Ich habe mich ziemlich schnell für die App Bebot entschieden. Was mir hier allerdings aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wir ohne die Unterstützung von Marc bei der Bedienung dieser App völlig aufgeschmissen gewesen wären, da wir zwar herausgefunden haben, wie man die entsprechende Tonart einstellt. Was ich aber bis heute nicht durchschaut habe, woher weiß ich, an welche Stelle das R muss (wahrscheinlich nur versändlich für diejenigen, die mit der App gearbeitet haben). Hier wurden also nicht die Noten vorgegeben, aber die Bedienung, was einen gewissen „Eingriff“ in den Lernprozess bedeutete, da ich es mir in der Kürze der Zeit nicht selbst erschließen konnte und es wahrscheinlich auch jetzt nicht könnte.

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