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Komponieren mit Apps?

Die Studierenden bekamen am ersten Tag die Aufgabe, in kleinen Gruppen eine Eigenkomposition anzufertigen. Die Apps konnten dabei frei gewählt werden. Die Ergebnisse sind hier (aufgenommen mit einem Smartphone während einer Probe am Mittwoch) zu sehen und zu hören. Es soll jedoch als Work-in-Progress betrachtet werden. Wir hatten also keine aufwendige Kameratechnik, sondern nutzten die Ressourcen, die uns zur Verfügung standen.

Die bei mir durch das Sehen des Videos auftauchenden Fragen sind u.a.:

  • Welche Motive gab es für die Auswahl der Apps? Geht es dabei eher um Sound oder um Spielweise?
  • Wie bewerten die Musizierenden die (eigene) Spielweise der Apps? Was verändert sich für den Musizierenden beim Spielen auf mobilen Digitalgeräten?
  • Wie verlief das Arbeiten in den Gruppen? Wie haben es die Gruppen geschafft, ein Musikstück zustande zu bekommen? Welche ästhetischen und gruppendynamischen Einflüsse gab es dabei?
  • Inwiefern sind Oberflächen, die beispielsweise Klaviertastaturen nachahmen, überhaupt geeignet, um darauf zu musizieren?

Ich freue mich auf Antworten.

Beobachte den Beobachter?

Auch auf diesem Blog möchte ich von Zeit zu Zeit einiges zum Beobachter-Problem anführen:

Beobachte den BeobachterAn der Hoffbauerstiftung gab ich parallel zu diesem Workshop trimesterbegleitend ein Seminar zum Thema Informelles Lernen und Musikpädagogik. Als ich nun gestern (Dienstag 25.03.) nach dem Seminar mit einigen Studierenden ins Gespräch kam, wurde mir von einer interessanten Beobachtung berichtet:

Die Message des Seminarleiters?

Jedem, der unterrichtet, ist vielleicht ab und an aufgefallen, dass die eigenen Kurse irgendwie eine Message mit sich führen. Dies kann beispielsweise sein, dass von Psychologielehrenden geglaubt wird, sie hätten alle Teilnehmer_innen analysiert. Oder von Musiklehrer_innen wird teils geglaubt, sie hörten in ihrer Freizeit nur sogenannte klassische oder Wellness-Musik. Auch innerhalb des Workshops tauchte ein ähnliches Phänomen auf:

Diejenigen Teilnehmenden des Workshops, die auch mein Seminar besuchen, beobachteten mich – so erfuhr ich gestern – in Hinblick auf die Thematik offener Unterrichtsformen. Sprich: Es stand die unausgesprochene Frage im Raum, ob der Workshop sich nun an meinen Kurs anlehne und ich mein Verständnis von entsprechendem pädagogischen Handeln hier anbringen wolle. Die Antwort lautet eindeutig: Jein!

Offener oder geschlossener Unterricht?

Der Workshop legte den Schwerpunkt erst einmal auf das Musizieren mit Apps auf mobilen Digitalgeräten wie Smartphones und Tablets. So war mein Ziel für die drei Tage, Musizierformen mit Apps weitestgehend auszureizen. Ob und wie mir das gelungen ist, sei an anderer Stelle erläutert. Es sei so viel gesagt, dass Musik reproduziert, komponiert, improvisiert und aufgeführt wurde. Da dafür (nur) drei Tage zur Verfügung standen und ich mir meine Erfahrungen mit Workshops vor Augen führte,  habe ich viele Teile vorgegeben. (Nennen wir letzteres Unterrichtsplanung)

  • Darunter die Auswahl des ersten gemeinsamen Songs Madness von Muse, die Einschränkung  von vorgegebenen Apps (z.B. Rockmate oder meine eingeschränkte Begeisterung für GarageBand).
  • Andererseits gab es auch etliche freie Teile innerhalb des Workshops. Die Gruppen haben Kompositionen angefertigt und selbst gewählte Musik gespielt.
  • Wer mich kennt, der weiß zum Beispiel, dass ich häufig keine Noten mitbringe, denn Musiklesen fördert im Unterricht oft nur die Fähigkeit, Musik zu lesen, und weniger das Zusammenspiel als Gruppe. (Ich freue mich bereits hier auf Kommentare 🙂 )

Aurales Musiklernen

Das notenfreie Musizieren zielt einerseits auf ein Spielen nach Gehör (aurales Lernen) ab, wie es auch für informelles Musiklernen typisch ist.  Andererseits habe ich gute Erfahrungen dahingehend gemacht, dass die Teilnehmenden schneller (für mich beobachtbar) kollaborativ arbeiten. Das heißt beispielsweise, dass untereinander Akkorde ausgetauscht werden, man aufeinander hören muss und dass mit den Musikapps herumexperimentiert wird.

Lehrer, Schüler und Anwesende?

Ich sehe mich weiter immer auch als ein Mitglied der Gruppe. Trotz meiner exponierten Rolle als sogenannte Lehrperson arbeite ich nicht mit Gruppen, sondern bin selbst durch meine Anwesenheit Teil der Gruppe, mit der ich arbeite. Ich arbeite demnach in Gruppen. Demnach versuche ich gewissermaßen beim gemeinsamen Musizieren im Plenum die Rolle des Moderators sowie des Mitmusizierenden zu vereinen. Ich gebe zu, dass ich gelegentlich zur Besserwisserei tendiere, aber das kann man auch bei sogenannten Lernenden ab und an beobachten. Entscheidend ist für mich, dass man als Pädagoge in jenen Situationen sich selbst den Auftrag erteilen kann, den Beobachter zu beobachten. Denn meine Entscheidungen werden dann nicht per se gut für die Gruppe. Wie sollte man so etwas auch beobachten? Meine Entscheidungen sind für meine Beobachtung wirksam. Wenn ich beispielsweise eine fehlerhaft beobachtete Akkordfolge korrigiere, dann ist das positiv für meine folgenden Beobachtungen  und die darin gekoppelten Entscheidungen: Im besten Fall werde ich dann nicht mehr die fehlerhafte Akkordfolge beobachten müssen und kann mich auf anderes konzentrieren (z.B. Zusammenspiel). Ob dies nun für den jeweiligen Lerner gleichsam positiv ist, ist m.E. unbeobachtbar.

We made Rock with »Rockmate«?

Was kommt raus, wenn vier Musizierende gleichzeitig eine App nutzen?

Am Dienstag hatten die Studierenden die Aufgabe, in kleinen Gruppen bis zu 4 Teilnehmer_innen ein selbst gewähltes Musikstück gemeinsam auf einer App zu spielen. Ziel war es, die App Rockmate näher kennenzulernen und gleichzeitig eine Möglichkeit zu erproben, wie die Interaktionen gesteigert werden könnte.

Stärkeres Interagieren!

Am Montag wurde in der Abschlussreflexion beklagt, dass das Orientieren an den anderen Musizierenden doch streckenweise zu kurz gekommen war. Nun sei dazu gesagt, dass am Montag der größte Teil der Studierenden zum ersten Mal in ihrem Leben auf Tablets Musik machten. Dadurch, dass die Oberflächen geräte- und  App-bedingt anders sind als bei traditionellen Instrumenten, waren einige nach deren Aussage stark damit beschäftigt, sich auf das ‚Treffen der richtigen Töne‘ zu konzentrieren.

Rockmate als DIE Lösung?

Als die Aufgabe bekannt gegeben wurde, waren nicht gleich alle begeistert: Die App schränke sehr stark ein, da es nur vier Möglichkeiten (2x Gitarre, Schlagzeug, Keyboard) gibt. Nicht einmal Bass!

Die Gruppen erarbeiteten sich innerhalb von 40min einen Song. Dabei mussten sie  die Akkorde einstellen, die Spielbarkeit austesten (besonders beim etwas klein geratenen Schlagzeug 🙂 ) und als Gruppe zusammenspielen.

Die Ergebnisse lassen sich hören, zeigen allerdings auch gewisse Schwachstellen wie besonders die Koordination der Finger beim Spielen.

 

In der Reflexion war die Gruppe geteilter Meinung: Einerseits bietet die App Rockmate eine Möglichkeit, um nicht 4 Tablets gleichzeitig nutzen zu müssen (Man denke an größere Gruppen), andererseits war für viele die gestalterische Freude eingeschränkt.

 

Aber sehen und hören Sie selbst.